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Porto Pim, der alte Fischereihafen von Horta ©Attila Bertalan
 

Unterwegs auf den Azoren

Horta, Faial, Azoren

Faial - Ein besonderer Yachthafen, vulkanische Landschaften und viele Hortensien

08.07.2008, Anreise mit der Fähre

Faial empfing uns mit düster grauen Wolken. Ich befürchtete triste Tage auf der Insel, aber wie für die Azoren typisch blieb das Wetter zum Glück nicht allzu lange. Horta, der Hauptort der Insel und zugleich der wichtigste Hafen, ist eigentlich ein kleines Städtchen mit gerade mal rund 6000 Einwohnern.

Seglerhumor: Kunst auf der Kaimauer von Horta, Insel Faial, Azoren
Ist das Kunst ???

Dennoch hatten wir bei dem Verkehr den Eindruck in einer mittelgroßen Stadt gelandet zu sein. Vom Fährhafen fuhren wir mit dem Taxi zu unserer Unterkunft der Residencial São Francisco. Nach dem enttäuschenden Wetter erwartete uns der zweite Dämpfer: Im Bad unseres Zimmers tropfte der Schimmel von der Decke und der Teppich erblühte mit vielen Flecken. Top war dagegen die Lage mit Blick auf die Marina mit dem Pico im Hintergrund, sofern er nicht in Wolken verborgen war.

Nachdem der Tag schon langsam voranschritt schauten wir uns ein wenig die Gegend an und spazierten dann zur Marina, dem interessantesten Yachthafen, den ich bisher gesehen habe. Nun, aus dem Reiseführer wusste ich schon, dass dort die Segler kleine Gemälde auf die Kaimauer malten. Ich hatte auch schon Fotos davon gesehen. Mit der schieren Menge und der Kreativität der Bilder hatte ich aber nicht gerechnet. Und auch der Humor kam nicht zu kurz. Meine anfangs eher gedämpfte Stimmung stieg wieder.

Da die schiere Menge der kleinen Gemälde einfach zu viel waren, um diese auf einmal mit seinen Sinnen zu erfassen und da unsere Unterkunft ja so nah zum Hafen war, machten wir also auch jeden weiteren Tag am Morgen oder Abend einen Spaziergang am Yachthafen, nur um uns die kleinen Kunstwerke anzuschauen. Da pro Tag schätzungsweise ca. 4 -5 Segler mit dem malen neuer Bilder anfingen, konnten wir auch die Entstehungsgeschichte von ein paar Bilder mitverfolgen. Die Bilder werden nicht in einem Rutsch gemalt, sondern zuerst folgt die Grundfarbe, die dann erst mal etwa einen Tag trocknen muss. Danach wird das Bild vorgezeichnet, oder frei Hand oder mit Schablonen nach und nach fertig gestellt. Immer wieder müssen aber Trocknungsphasen eingelegt werden, so dass manche Bilder wohl während der ganzen Aufenthaltsdauer der Segler Form annehmen.

Horta (Faial) bei trübem Wetter
Ankunft in Horta bei trübem Wetter
Bemalte Kaimauer von Horta (Faial, Azoren)
Bemalte Kaimauer
Atlantik-Segler malt im Hafen von Horta ein Bild
Jeder Atlantik-Segler malt in Horta ein Bild

09.07.2008, Vulcão dos Capelinhos

Karte Azoren 1:70.000 (World mapping project, Reise Know-How) Die genaue Lage zu allen in meinem Reisebericht erwähnten Orten finden Sie in der aktuellen Karte "Azoren 1:70.000".

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Faial biete drei größere Attraktionen: Den Yachthafen von Horta, die Caldeira und das Gebiet beim Vulkan Capelinhos. Die Landzunge im Westen der Insel ist das jüngste Stück Land der Azoren und entstand erst vor 50 Jahren bei einem schweren Vulkanausbruch in den Jahren 1957 und 1958. Ein Foto aus der Zeit mit dem Leuchtturm und der hohen Rauchsäule dahinter findet man auf Faial immer wieder auf Postkarten, in Büchern und sogar auf Fotos im Hotel-Aufenthaltsraum.

Nach einem weiteren Besuch der Marina am Morgen fuhren wir also Richtung Westen. Als wir uns dem Gebiet näherten sahen wir schon aus der Ferne eine für die Azoren ungewöhnlich kahle Landschaft.

Als wir dort ankamen, waren von der Straße bis zum Leuchtturm Bauarbeiten im Gange. Offensichtlich wird das Gebiet touristisch ausgebaut, im Rohbau stand schon so eine Art Besucherzentrum. Als wir Richtung Leuchtturm gingen, schickten uns die Bauarbeiter weiter nach unten, wo wir auf einen Trampelpfad stießen. Der Pfad, zunächst mit einer Leine gesichert führte zum eigentlichen Vulkan.


Der Yachthafen von Horta
Der ehemalige Leuchtturm von Capelinhos auf der Insel Faial (Azoren)
Der Leuchtturm von Capelinhos
Vulcão dos Capelinhos, Faial (Azoren)
Der Weg zum Vulcão dos Capelinhos

Oben verzweigte sich der Pfad und führte rechts in Bereiche, wo inzwischen Möwen ihre Jungen aufziehen. Den Möwen gefiel unser Auftauchen gar nicht und sie beäugten uns misstrauisch und machten uns das mit lauten Rufen und Sturzflügen deutlich. Wir ließen die Möwen in Ruhe und gingen den Pfad nach links weiter. Er führte uns durch eine wüste Ödnis, bis wir plötzlich vor einem Abgrund standen. Dort hatte man einen fantastischen Blick auf die Küste an der Stelle, wo der Vulkan ausgebrochen war. Ein dünner Schwefelrand war immer noch vorhanden. Wir genossen diesen Platz mit Ehrfurcht vor den gewaltigen Kräften, die ihn gebildet haben.

Auf dem Rückweg fuhren wir diesmal die Nordküste der Insel entlang. Plötzlich zwischen Cedros und Salão kamen wir an einer Stelle vorbei, da war der ganze Berghang mit Hortensien bepflanzt. Wen man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann man sich diese Menge an Blumen kaum vorstellen.

Möwe
Wachsame Möwe
Vulcão dos Capelinhos, Faial (Azoren)
Vulcão dos Capelinhos

Hortensien

10.+11.07.2008, Caldeira und Gedenkfest

Wie jeden Tag in Horta schauten wir uns am Morgen die Bilder in der Marina an. Dann fuhren wir im Laufe des Tages Richtung Caldeira, wo ich gerne gewandert wäre. Während am Morgen noch ein strahlend blauer Himmel über der Insel war, zogen aber im Laufe des Vormittags dichte Wolken auf. Als wir dann am Einstiegspunkt zur Caldeira ankamen, fing es an in Strömen zu regnen. So schnell kann sich das Wetter auf den Azoren ändern. Also fuhren wir wieder Richtung Küste und entdeckten (TIPP!) den wohl schönsten Strand der Insel, den Praia do Almoxarife, der Luftlinie nur etwa 2 Kilometer von Horta entfernt ist. Trotz des regnerischen Wetters badeten etliche dort, denn kalt war es eigentlich nicht. Wir beendeten den regnerischen Tag mit einem kleinen Stadtbummel in Horta.

Der Yachthafen von Horta, Insel Faial, Azoren
Der Yachthafen von Horta
Die Caldeira von Faial im Regen
Die Caldeira im Regen
Praia do Almoxarife, Faial
Praia do Almoxarife

Am nächsten Tag starteten wir einen erneuten Versuch, bei der Caldeira zu wandern. Wir kamen an und es war noch trocken und reichte für ein paar Fotos. Noch am Ausgangspunkt unterhielten wir uns mit einem deutschen Wandererpaar und während der Unterhaltung schwenkte das Wetter wieder von Trocken auf dichten Nebel um. Etwas enttäuscht gab ich das Wandervorhaben auf und wir fuhren ein wenig über die Insel und dann nach Horta zurück. Dort angekommen bemerkten wir reichlich Aktivität: Es war eine Feier, die zum Gedenken an die ersten Siedler auf der Insel abgehalten wurde. Zwei historische Schiffsnachbauten fuhren mit entsprechend kostümierten Personen vom neuen Hafen zum alten Hafen und landeten dort an. Ein tolles Fotomotiv, auch wenn die Zeremonie dann doch etwas langatmig war.

Die Caldeira von Faial (Azoren)
Die Caldeira

Die Vera Cruz im Hafen von Faial
Ankunft der Vera Cruz im alten Hafen Porto Pim bei Horta, Insel Faial
Ankunft im alten Hafen Porto Pim

12.07.2008, Cafe Peter Sport und Abflug

Peter Café Sport, Horta - Faial
Peter Café Sport

Da unser Flug nach São Miguel am frühen Nachmittag war, konnten wir an unserem letzten Tag auf Faial natürlich nicht mehr all zu viel unternehmen. Also blieben wir in Horta und besuchten das berühmte Peter Café Sport. Also ich bin ja ehrlich gesagt der Meinung, dass der Name ziemlich holprig ist. Nichtsdestotrotz ist es laut Reiseführer eines der besten Bars der Welt.

Scrimshaw Museum, Horta, Insel Faial
Scrimshaw Museum

Nun, sicherlich ist das Café Sport eine hübsche Bar, in etwa vergleichbar mit einem guten Irish Pub. Es ist nett dekoriert mit allerlei Seglerkram und das Angebot ist auch in Ordnung. Aber die Ausstattung oder das Angebot ist nicht das Beste der Welt. Was das Café Sport aber sehr wohl zu etwas besonderem macht, ist, dass sich hier am Abend kontaktfreudige Segler aus aller Welt treffen können.

Nun, da wir keine Segler sind, besuchten wir zunächst das im ersten Stock gelegene Scrimshaw Museum. Dabei handelt es sich um künstlerische Gravuren in Walzähnen. Ende des 19. Jahrhunderts haben Walfänger aus Langeweile damit angefangen in Walzähne zu ritzen. Später haben das Künstler aufgegriffen und richtig schöne Kunstwerke geschaffen, die oftmals Szenen aus dem Leben von Walfängern zeigen. Nach dem Besuch des kleinen, aber wirklich feinen Museum tranken wir im Café noch einen Kaffee und danach mussten wir aufbrechen nach São Miguel, der letzen Station unserer Reise.

Porto Pim, der alte Hafen von Horta (Faial)
Porto Pim, der alte Hafen von Horta

©Attila Bertalan